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Am 19.08.1999 flogen Rainer Wittmer und Kessy (
Mischlingshündin), zusammen mit elf weiteren Kollegen und zehn Rettungshunden
der restlichen sechs Staffeln des Landes Rheinland Pfalz, im Auftrag des
Innenministeriums nach Istanbul. Nachts trafen sie dann in Gölcyk, der Stadt in
der Provinz Kocaeli (Izmit) ein, unter der das Epizentrum des Bebens mit einer
Stärke von 7,4 Richterskala lag.
Hier sind durch die Erschütterungen, die ca 19 sec.
lang andauerten, die vermutlich schwersten Schäden verursacht worden und die,
an der Bevölkerungszahl gemessen, meisten Todesopfer zu beklagen. Die Hinfahrt
gestaltete sich äußerst schwierig, da alle Straßen durch Hilfstransporte total
verstopft waren. Der Verkehr wurde durch Bürger geregelt, die mit dicken
Holzknüppeln "bewaffnet", rigoros durchgriffen, wenn Ihren Anweisungen nicht
gefolgt wurde. Es gab kein fließendes Wasser, keine Toiletten und keinen Strom.
Da es kaum ein Gebäude gab, welches nicht total
zerstört oder durch schwere Schäden vom Einsturz bedroht war, lagerte die
Mannschaft auf einer stark befahrenen Kiesstraße, in ausreichender Entfernung
zu Gebäuden. Die über der gesamten Stadt liegende dicke Staubschicht, die
insbesondere den Hunden schwer zu schaffen machte, ließ die Errichtung des
Camps auf einer Wiese nicht zu.
Am frühen Morgen des 20.08.1999 konnte die
Mannschaft in einem Gebäude unter fünf Stockwerken deutliche Lebenszeichen
eines Geschwisterpaares, 13 und 16 Jahre alt, orten. Unklar war, von wem die
Klopfzeichen stammten.
Die Rettungsteams durchsuchten an diesem Tag noch
insgesamt 13 total zusammengebrochene Wohnblocks mit jeweils 20 Wohnungen. Bis
zum Eintreffen der Feuerwehrleute hatten lediglich Einheimische mit Schaufeln
und dicken Hämmern in den Trümmern nach Überlebenden gesucht. Noch während der
Ortungsarbeiten verstarben offensichtlich Personen, mit denen vorher durch die
Trümmer deutliche Gespräche geführt wurden, die dann jedoch verstummten.
Leider konnten weder durch die Hunde noch durch
technische Ortung mittels der Detektoren Lebenszeichen in den Trümmern
festgestellt werden. Allerdings konnte bei der Absuche der Gebäude den
örtlichen Bergungskräften die Lagen von dreizehn Leichen angegeben werden.
Als die Teams noch in der Nacht, nach
Kontaktaufnahme mit dem Deutschen THW, in das 60 km entfernte Yalova abgerufen
wurden, waren die Grabungen nach den beiden Brüdern durch das türkische Militär
und den hervorragend arbeitenden zivilen türkischen Rettungsdienst Akut, noch
im Gange.
Nach der Ankunft in Yalova wurden die Teams sofort
wieder die Durchsuchung von vier 5 bis 6 stöckigen Häusern eingesetzt.
Bei der Verschüttetensuche der Rheinland Pfälzer an
der Rückseite eines größeren Gebäudekomplexes konnte eine französische
Feuerwehrgruppe an der Vorderseite des Gebäudes ein kleines Mädchen auffinden
und ohne nennenswerte Verletzungen aus den Trümmern retten.
Während der Ruhepausen der Hunde wurden weitere
Suchmaßnahmen mit den Detektoren durchgeführt. Außerdem wurden noch vier
weitere Leichen aus Trümmern eingestürzter Gebäude geborgen.
Am nächsten Tag wurden die Helfer von Yalova nach
Izmit, der Provinzhauptstadt, verlegt. Die Transporte erfolgten mit Bussen oder
auf LKW´s, die von der Polizei requiriert
worden waren, sowie auf Fähren.
Unmittelbar nach dem Eintreffen dort, auf dem
Gelände der örtlichen Feuerwehr, wurde die Suche bis spät in die Nacht in drei
Wohnkomplexen durchgeführt. In einem davon befanden sich bis zu 50 Tote. Der
Ortungsversuch in einem schräg stehenden Haus nach einem Vater mit zwei Kindern
mußte abgebrochen werden, weil während der Arbeiten unter dem labilen Gebäude
ein Betonträger durchbrach und ein Totalzusammenbruch zu befürchten war.
Am 23. August 1999 kehren Rainer Wittmer, Kessy und die anderen Kollegen wohlbehalten aus
der Türkei zurück.
Erst in Deutschland erfuhren die Helfer dann, daß
die beiden Kinder, die man am ersten Tag geortet hatte, geborgen worden sind.
Leider kam für einen der beiden Jungen jede Hilfe zu spät.
Am 23. August 1999 fand morgens eine Abschluss
Besprechung in Izmit statt. Auf dieser Besprechung wurden folgende offizielle
Zahlen bekannt gegeben:
Stärke des Bebens 7,4
12 070 Tote
33 000 Verletzte
35 000 Vermisste |